Erfolgsfaktoren für den Shareholder Value | |||
Autorin: Martina Krell | Seminarleiter: Prof. Beyer | WS 2000/2001 | Hauptstudium |
Handout ZA PDF | Zulassungsarbeit PDF |
"Erfolgsfaktoren für den Shareholder Value"
I. Problemstellung
Viele Unternehmen bekennen sich heute zum Shareholder Value. Es lassen
sich zwei Phänomene einer Steigerung des Shareholder Value unterscheiden
und mit ihnen zwei Arten von Erfolgsfaktoren für den Shareholder Value:
Im Laufe der Darstellung wird sich erweisen, daß beide Arten
von Erfolgsfaktoren eine Antwort auf folgende Frageformel geben:
"Durch welche
konkrete Maßnahme
wird, unter Rückgriff
auf welches
Mittel zum Zweck
, mittels
welcher Methode
, unter
welchem
Primat,
SHAREHOLDER VALUE
geschaffen?"
II. Der Shareholder Value Ansatz
(Zur Thematik vergleiche Hausarbeit "Betriebliches Zielsystem - Shareholder Value - Stakeholder Value - Dynamische Nutzenbalance - Balanced Scorecard" vom SS 99)
Der Basiskreislauf stellt die treibende Kraft eines wertorientierten Unternehmens dar. In ihm werden Faktoren, die den Shareholder Value beeinflussen, miteinander verknüpft:
Abb.: Basiskreislauf nach Beecker, C.: Speed-Management zur Steigerung des Unternehmenswertes
Abbildung aus technischen Gründen nicht darstellbar (in Word-Version
- zum Download - vorhanden).
III. Erfolgsfaktoren "in re": "echte" Verbesserungen des Shareholder Value
Shareholder Value ist nicht allein durch ein Steigen des Aktienkurses gegeben, sondern erst dann, wenn die Aktionäre eine risikoadäquate Rendite für ihr Kapitalengagement erhalten.
Im Hinblick auf eine Verbesserung des Shareholder Value heißt das: es gilt zwischen einer langfristig nachhaltigen und kurzfristig substanzlosen Verbesserung des Unternehmenswertes zu unterscheiden. Zu ersterem tragen nur Erfolgsfaktoren "in re" bei, also solche, die zu einem realen Erfolg führen: "Langfristigkeit" sowie "Erhöhung des inneren Wertes". Die Verwirklichung dieser Ziele wird durch folgende sechs Erfolgsfaktoren bestimmt:
1. Erfolgsfaktor "Kundenorientierung"
Ganzheitliche Kundenorientierung stellt die maßgebliche Erfolgsstrategie zur Steigerung des Unternehmenswertes dar; das Kundenmanagement kann jedoch nur unter Einordnung in die vernetzte Sicht der Wertschöpfungskette (Primärprozeß) synergetische Wirkungen entfalten. Vor dem Hintergrund eines Wettbewerbsumfeldes, das von erbittertem Konkurrenzkampf, austauschbaren Produkten mit immer kürzeren Lebenszyklen und ständig wachsenden Ansprüchen der Kunden nach exzellenter Qualität und zuverlässigem Service gekennzeichnet ist, genügt es nicht mehr, nur Kundennutzen zu schaffen und zufriedene Kunden vorzuweisen. Es müssen auch die nächsten Stufen, die Kundenbindung und die Kundenloyalität , erreicht werden, damit ein Unternehmen hohen Kundenwert erzeugt und langfristig erfolgreich wird.
Liegt in einem Unternehmen das Hauptaugenmerk auf dem Shareholder Value, so kommt dieses nicht umhin, den Kundenwert, den Customer-Lifetime-Value, parallel zu verfolgen. Schon Rappaport erkennt, daß "zufriedene Kunden (...) die Quelle langfristiger Cash-Flows eines Unternehmens (sind)" und " (es) ohne Kundennutzen (...) kein Shareholder Value geben (kann)". Für ein Unternehmen bedeutet das, sich konsequent auf den Kunden ausrichten, Trends frühzeitig zu erkennen, bedarfsgerechte Produkte für unterschiedlichste Kundengruppen zu entwickeln, diese zum richtigen Zeitpunkt anzubieten und damit die Kundenloyalität zu erhöhen und auszubauen. Voraussetzung und Basis dafür ist das Wissen über die Kunden bzw. das
Wissen über deren
"doppelten Kundenwert"
:
Abb.: Bestimmungsgrößen des Kundenwertes/Customer-Lifetime-Value
Quelle: in Anlehung an: Zezelj, G.: Das CLV-Management-Konzept,
S. 13, eigene Darstellung
2. Erfolgsfaktor "Wandlungsorientierung"
Betrachtet man Shareholder Value unter dem Gesichtspunkt der Globalisierung der Märkte und des sich allseits verstärkenden Wettbewerbs, so zeigt sich, daß Unternehmen schnell auf stetig wachsenden Anpassungs- und Änderungsdruck reagieren müssen. Das bedeutet, daß neue Anforderungen, neue Aufgaben sowie neuer Qualifikationsbedarf zu bewältigen sind:
- Zeit
Heute gilt es, Leistungen schneller als die Konkurrenz zu verbessern, denn die Leistungsverbesserungsrate schafft einen Mehrwert für die Anteilseigner eines Unternehmens.
- Management und Leadership
Die Fähigkeiten der Führungskräfte sind ein weiterer Faktor, der Unternehmen wertsteigernd in die Zukunft führen kann. Möchte ein Unternehmen bei einem derart starken Wettbewerb Unternehmenswert schaffen, so müssen Führungskräfte und Mitarbeiter dazu inspiriert werden, neue Möglichkeiten zu entdecken und umzusetzen; der Unternehmenswert und damit der Shareholder Value kann in dem Maße gesteigert werden, wie sich das Unternehmen von der Konkurrenz unterscheidet und Werte für die Kunden schafft.
- Veränderungsbereitschaft
Flexibilität, Schnelligkeit, Ideenreichtum und Offenheit für neue Lösungsansätze sowie Bereitschaft zur ständigen Veränderung sind gefordert. Die Schlüssel zur erfolgreichen Prozeßbeherrschung sind dabei EDV-Vernetzung, Visualisierung der Leistungsprozesse an einem Ort, so daß jeder Mitarbeiter das Ergebnis seiner eigenen Leistung im Team sieht und weitere Vorschläge zur Verbesserung von Abläufen geben kann.
- Wertbeitrag einiger ausgewählter organisatorischer Veränderungsprozesse
Geschäftsprozeßoptimierung , d.h. höherer interner und externer Kundennutzen sowie Ressourcenersparnis. Die Optimierung der Geschäftsprozesse liegt in marktwirksamen Kostensenkungen und marktwirksamen Qualitätsverbesserungen - Maßnahmen, die erzielt werden können durch: Reorganisation, Lernende Organisation, Kontinuierliches Verbesserungsprogramm sowie Reengineering.
- Innovationen
"Agieren statt reagieren!"
Produktinnovationen sind für den Shareholder Value deshalb von belang, weil sie den Marktanteil eines Unternehmens erhöhen und dadurch einen außerordentlichen Beitrag zum Unternehmenswachstum und zur Ertragskraft leisten, die in der Regel für eine positive Entwicklung des Cash Flow stehen. Prozeßinnovationen dienen der Optimierung bereits bestehender Prozesse mit dem Ziel der Effizienzsteigerung.
Durch Innovationen kann ein Unternehmen also wirtschaftliches Wachstum und nachhaltige Stärke erreichen sowie Marktanteile erhalten und ausbauen . Zwar lassen sich die positiven Auswirkungen von Innovationserfolg bzw. seiner drei Dimensionen auf den Shareholder Value kaum quantifizieren, jedoch wird ihr hoher Wertbeitrag zur Steigerung des Shareholder Value dank "Erhöhung des Gesamtnutzens" evident:
Abb.: Dimensionen des Innovationserfolgs
Quelle: Hauschildt, J.: Innovationsmanagement, S. 323
3. Erfolgsfaktor "Kernkompetenzorientierung"
Unternehmen können einen qualitativen Wandel nur wahrnehmen und daraus Nutzen ziehen, wenn sie an ihren Kernkompetenzen ansetzend offen für Veränderungen sind und erkennen, daß sie basierend auf den Kernkompetenzen ihre Geschäftstätigkeit vergrößern können.
- Wettbewerbsvorteile durch Kernkompetenzen
Kernkompetenz stellt eine Eigenschaft des Unternehmens dar, die langfristigen Imitationsschutz gegenüber der Konkurrenz aufbaut und einen komparativen Vorteil sichert. Somit trägt sie materiell zur Schaffung von Shareholder Value bei. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, in Kernkompetenzen zu investieren und in ausgewählten Geschäftszweigen die Marktführerschaft anzustreben. Auch im Bereich der Kernkompetenzorientierung muß kontrolliert werden, daß die erwartete Rendite über den Kapitalkosten liegt.
- Benchmarking - Vergleich mit der Konkurrenz
Benchmarking hilft, das Mögliche zu erkennen und dieses in einem Maßnahmeplan - unter Konzentration auf die Kernkompetenzen - zur allgemeinen Verbesserung umzusetzen.
- Shareholder Value Analysis - Matrix
Die
Shareholder Value Analysis - Matrix
verbindet Instrumente
der Wertsteigerungsanalyse mit der Ausrichtung der strategischen Geschäftseinheiten
auf das Kerngeschäft. Dazu werden Kerngeschäftskonformität
und Wertbeitrag gegenübergestellt. Ein positiver bzw. negativer Wertbeitrag
bedeutet, daß der diskontierte freie Cash Flow größer
bzw. kleiner Null ist:
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß Kernkompetenzorientierung
das Abstoßen derjenigen Geschäftsfelder erfordert, die unrentabel
sind oder nicht in das Gesamtkonzept des Unternehmens passen.
4. Erfolgsfaktor "Mitarbeiterorientierung"
Der Wert der Mitarbeiter wird als Triebfeder für die Wertschöpfung erkannt und die Mitarbeiterorientierung - quer durch alle Bereiche - als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren erachtet; der Zusammenhang zum Unternehmenswert und zum Shareholder Value bleibt in seiner Quantifizierung jedoch auch hier offen. Mitarbeiterorientierung im Rahmen einer Unternehmenswertsteigerung bedeutet, das Bewußtsein der Mitarbeiter für Wert, Wertschaffung, betriebliche Gewinnmarge und Kapitalproduktivität zu schärfen und Wertorientierung deutlich im operativen Bereich auf allen Ebenen zu verankern sowie Vision und Strategie unternehmensweit zu kommunizieren. Im Shareholder Value Ansatz steht der Mitarbeiter hinter dem Aktionär, jedoch darf nicht vergessen werden, daß gerade ein innovatives, motiviertes und produktives Team Grundstein und Bedingung für einen nachhaltigen Unternehmenswert ist:
Mitarbeiterorientierung steht im engen Zusammenhang mit
Informations-
und Wissensmanagement
, sind Mitarbeiter doch Empfänger von Informationen
und Träger von Wissen. Unternehmen, die ihr Wissen in den Mittelpunkt
der Vermarktung stellen, können
innovativer
,
schneller
und
effektiver agieren
und sind stets einen Schritt voraus. Wissen
ist die somit entscheidende
Quelle für Wettbewerbsvorteile
und für die
Schaffung eines langfristigen Wertes für die Aktionäre
.
Der Anteil wissensbasierter Transaktionen in der wirtschaftlichen Wertschöpfung
beträgt ca. 80 Prozent. So kann Wissen durch entsprechende Marketingstrategien
zur Generierung von Cash Flows beitragen, z.B. indem durch Stärkung
der Wissenskomponente Differenzierungsmerkmale gegenüber Konkurrenzprodukten
erzeugt werden.
5. Erfolgsfaktor "Netzwerkorientierung"
Der Prozeß der Wertsteigerung hat eine netzwerkartige Konfiguration, in der auf allen Stufen der Wertsteigerung mit internen und externen Kunden, mit Lieferanten, mit ausgegliederten Tochtergesellschaften etc. interagiert wird.
- Wertbeitrag unternehmensweiter Verbreitung von Informationen im Netzwerk
Erst die Optimierung interner Schnittstellen macht eine effiziente unternehmensweite Verbreitung von Informationen möglich.
- Wertbeitrag von Kooperationsstrategien
Eine zielgerichtete, partnerschaftliche Integration aller Glieder einer Wertschöpfungskette kann als Erfolgsmerkmal des strategischen Netzwerkmanagements gesehen werden. Synergien entstehen, wie bereits dargestellt, erst dann, wenn eine ganzheitliche Betrachtung und eine Einordnung der eigenen Aktivitäten in die Wertschöpfungskette, erfolgt.
Im Rahmen von Systemlösungen werden bestimmte Teile zu einer Teilefamilie, einem kompletten Funktionsmodul oder einem kompletten Montagemodul integriert, so daß sich die Wertschöpfungstiefe und die Anzahl der Lieferanten reduzieren. Die sich daraus ergebende Komplexitätsreduktion führt zu niedrigeren Kosten und Wettbewerbsvorteilen.
Auch inner- und zwischenbetriebliche Logistiksysteme können den Unternehmenserfolg beträchtlich erhöhen. "KANBAN" und "Just-In-Time" reduzieren dank nachfragesynchroner Bedarfsdeckung Lagerbestände und dadurch die Kapitalbindung, reduzieren Komplexitätskosten und verkürzen Durchlaufzeiten, verbessern die Produktqualität, die Produktivität und das Qualitätsbewußtsein der Mitarbeiter: alles Parameter des Shareholder Value.
Kooperationsformen wie Strategische Allianz , Joint Venture und Wertschöpfungspartnerschaft ermöglichen dem Unternehmen die Verwirklichung von Zeitvorteilen, diese stellen einen wesentlichen Wettbewerbsfaktor dar. Die Wertgeneratoren "Umsatzwachstum" und "Betriebliche Gewinnmarge" werden positiv beeinflußt.
Akquisitionen in verwandte Bereiche sind Voraussetzung für langfristiges, globales Wachstum. Akquisitionen sind immer dann sinnvoll, wenn sie durch neue Verflechtungen dem Unternehmensverbund Synergiepotentiale schaffen. Im Rahmen der "Netzwerkorientierung" muß beachtet werden, daß nur eine Stärkung der Potentiale des Gesamtunternehmens die Interessen aller Beteiligten, also auch das Interesse der Aktionäre an einem hohen Total Return, wahrt und fördert. Wertsteigerungseffekte resultieren aus der Senkung des leistungswirtschaftlichen Unternehmensrisikos, der Erhöhung der Effizienz des Leistungserstellungsprozesses, aus der gemeinsamen Nutzung bestimmter Unternehmensfunktionen, aus einem nach der Akquisition realisierbaren Restrukturierungspotential sowie aus Größen- und Erfahrungspotentialen. Diese Wertsteigerungseffekte bewirken wiederum Kostenvorteile und Steigerung des Gesamtunternehmenswertes. Dies führt in Verbindung mit einem reduzierten Unternehmensrisiko zu einer Steigerung des Shareholder Value.
Diversifikation seffekte können durch Realisierung von leistungswirtschaftlichen, finanzwirtschaftlichen oder steuerlichen Synergiepotentialen erreicht werden, ebenso durch Verminderung des Marktrisikos, des leistungswirtschaftlichen und finanzwirtschaftlichen Unternehmensrisikos, so daß der Unternehmenswert steigt. Allerdings zeigen Untersuchungen, daß eine Diversifikationsstrategie in Hinblick auf wertorientierte Unternehmensführung generell weniger erfolgversprechend ist.
- Principal-Agency-Theorie
Agency-Theorien analysieren die durch
Informationsasymmetrien
gekennzeichnete Beziehung zwischen Auftraggeber (Principal, Aktionär)
und Auftragnehmer (Agent, Management). Die asymmetrisch verteilten Informationen
zu Lasten der Investoren resultieren daraus, daß die Investoren im
allgemeinen nicht im gleichen Umfang über Informationen verfügen
wie das Management. Ein Ansatzpunkt, die Interessen beider Gruppen zu harmonisieren
und dadurch eine positive Wirkung auf den Shareholder Value zu erzielen,
stellt das Programm der Aktienoptionen dar.
6. Erfolgsfaktor "Wertschöpfungsorientierung"
Im Rahmen dieser Arbeit soll Wertschöpfung "geschickter Einsatz von Investitionen und Desinvestitionen" bedeuten, da gerade diese Faktoren Voraussetzung für Wertschaffung sind. Bezüglich des Shareholder Value Gedankens muß folgender Leitsatz befolgt werden:
Nicht nur verlustbringende oder unterdurchschnittlich rentable, sondern
auch nach traditionellen Verfahren als höchstrentabel ausgewiesene
Unternehmensteile müssen dann desinvestiert werden, wenn langfristig
die Renditen unter den Kapitalkosten liegen, d.h. die diskontierten zukünftigen
Cash Flows negativ sind.
7. Synthese
Eine Quantifizierung der Steigerung des Shareholder Value ist nicht möglich ist, so daß man sich auf folgende Überlegung beschränken muß (vgl. Abbildung S. 10):
"Umsatzwachstum" und "betriebliche Gewinnmarge" sind die bedeutenden Wertgeneratoren des Shareholder Value. Da die genannten zwei Faktoren in direkter Korrelation mit "Ausschaltung der Konkurrenz", "Wettbewerbsfähigkeit" und "Innovationen" stehen und diese wiederum drei Faktoren der Wandlungsorientierung darstellen, ist Wandlungsorientierung der Schlüsselfaktor. Sie ist direkt mit dem Shareholder Value verbunden. Daraus folgt, Wandlungsorientierung ist die Primärursache , aus der sich die anderen Erfolgsfaktoren ergeben. Sie steht am Anfang sämtlicher Wechselwirkungsprozesse. Aus ihr entspringen über Innovationen Mitarbeiterorientierung, Kundenorientierung, Imitationsschutz gegenüber der Konkurrenz sowie Wettbewerbsfähigkeit, die wiederum mit allen anderen Elementen des Systems zusammenhängt. Wandlungsorientierung und Innovation setzen Investitionen voraus, ein entscheidender Faktor der Wertschöpfungsorientierung. Wandlungsorientierung hat allerdings nur dann diese Schlüsselposition inne, wenn sie auf dem Gesichtspunkt der Kernkompetenzorientierung basiert: stetige Rückkopplung der Wandlungsorientierung auf Kernkompetenzorientierung ist also die "conditio sine qua non". Die drei Erfolgsfaktoren Mitarbeiterorientierung , Kundenorientierung und Netzwerkorientierung stellen demnach Sekundärfaktoren dar, wobei Kundenorientierung und Mitarbeiterorientierung als Mittel zum Zweck, Netzwerkorientierung als Methode angesehen werden können. Die Wertschöpfungsorientierung kann als Primat, nach dem die übrigen Erfolgsfaktoren ausgerichtet werden sollen, interpretiert werden, sie manifestiert sich als Teilaspekt in jedem einzelnen Faktor.
So geben die sechs Erfolgsfaktoren eine eindeutige Antwort auf die in der Einleitung eingeführte Frageformel:
SHAREHOLDER VALUE wird geschaffen durch
1. die
konkreten Maßnahmen
:
Wandlungsorientierung/Kernkompetenzorientierung
,
2. unter Rückgriff auf die
Mittel zum Zweck
:
Kundenorientierung/Mitarbeiterorientierung
,
3. mittels der
Methode
:
Netzwerkorientierung
,
4. unter dem
Primat
:
Wertschöpfungsorientierung
.
Abbildung aus technischen Gründen nicht darstellbar (in Word-Version
- zum Download - vorhanden).
IV. Erfolgsfaktoren "in specie": "manipulierte" Verbesserungen des Shareholder Value
In diesem Abschnitt soll der Problematik der Diskrepanz zwischen Aktienkurs und wahrem Unternehmenswert anhand der folgenden vier Erfolgsfaktoren " Länge des Prognosehorizontes", "Variation von Rückstellungen und Abschreibungen", "Minimierung der Kapitalkosten", "Informationspolitik und Erwartungen der Aktionäre" nachgegangen werden:
Durch die Untersuchung wird ersichtlich werden, daß die Möglichkeit
zur Manipulation zum einen darin liegt, daß die
Wahl der Parameter
in der Formel zur Berechnung des Unternehmenswertes einen Spielraum offen
läßt, durch geschickte Gestaltung der Parameter den bestmöglichen
Unternehmenswert zu errechnen, zum anderen bieten die
Aktionäre
,
d.h. der Faktor "Mensch", Raum für Manipulationen.
1. Erfolgsfaktor "Länge des Prognosehorizontes"
Der Shareholder Value Ansatz stellt ein
Planungsinstrument
dar.
Zwangsläufig ergibt sich die Frage, ob Planungsergebnisse neben der
Unsicherheit
,
die sie mit sich bringen, nicht auch manipuliert werden können. Im
Rahmen dieser Überlegung spielen von allen Werttreibern gerade der
Planungshorizont, der unterschiedlich abgesteckt werden kann, und mit ihm
der Restwert eine entscheidende Rolle. Da dem Management keine Regeln bei
der Ermittlung des Planungshorizontes vorgegeben sind, kann die
Länge
rein willkürlich
gewählt werden. Das bedeutet, das Management
hat die Möglichkeit, die Größen in Richtung des bestmöglichen
Unternehmenswertes zu manipulieren: wird beispielsweise im fünften
Jahr erstmals ein negativer Cash Flow erwartet, wird wohl der Planungshorizont
nur auf vier Jahre veranschlagt werden.
2. Erfolgsfaktor "Variation von Rückstellungen und Abschreibungen"
Ein weiterer Ansatz zur Manipulation liegt in der Variation von Rückstellungen
und Abschreibungen. Die indirekte Ermittlung des Cash Flow verdeutlicht
den Spielraum möglicher Variationen. Das Hauptaugenmerk wird auf finanzunwirksame
Größen gelenkt, so daß es scheint, daß eine Steigerung
des Cash Flow auf die Erhöhung finanzunwirksamer Abschreibungen oder
Rückstellungen zurückgeht. Dies kann zu
Fehlinterpretationen
führen.
3. Erfolgsfaktor "Minimierung der Kapitalkosten"
Die Kapitalstruktur eines Unternehmens wird vom Verhältnis Außen-
und Innenfinanzierung bestimmt. Gesunkene durchschnittliche Kapitalkosten
r führen unmittelbar zu einem erhöhten Unternehmenswert und mittelbar
zu einer Erhöhung des Aktionärsvermögens. Nun stellt sich
die Frage, ob die Kapitalkosten auch durch eine Veränderung der Kapitalstruktur
beeinflußt werden können oder ob lediglich eine Minimierung
der Fremd- und Eigenkapitalkosten Ansatzpunkte zur Minimierung darstellt.
- Wertschöpfungspotential der Kapitalstruktur: optimaler Verschuldungsgrad und Leverage-Effekt
Optimierung der Kapitalstruktur bedeutet die Eigen- und Fremdkapitalanteile so zu gestalten, daß die Kapitalkosten minimiert werden. Solange die Eigenkapitalkosten über den Fremdkapitalkosten liegen, wird zur Finanzierung eines Investitionsprogramms Fremdkapital aufgenommen, bis dessen Kosten die Grenzrendite der Investition erreichen und vice versa. Jedoch darf nicht vergessen werden, daß diese Hebelwirkung wachsender Verschuldung auf die Eigenkapitalrentabilität ( Leverage-Effekt ) jener Restriktion unterliegt, daß mit zunehmender Verschuldung das Unternehmensrisiko steigt.
Im Rahmen der Optimierung der Kapitalstruktur gilt es, überschüssige Liquidität abzubauen, Instrumente dafür stellen die Dividendenpolitik und der Aktienrückkauf dar, letzterer soll im folgenden näher betrachtet werden: Empirische Studien zeigen, daß Aktienrückkäufe, d.h. der Übergang des Eigentums von Aktien an die emittierende Aktiengesellschaft, zu einer signifikanten Steigerung des Shareholder Value führen. Dank der Gewinnverdichtung ( = Erhöhung des Gewinns pro Aktie) und die Signalwirkung ( = Informationen über die künftige Ertragslage und Kurssteigerungspotentiale) von Aktienrückkäufen steigen die Aktienkurse. Erwirbt ein Unternehmen eigene Aktien zur gewöhnlichen Kurspflege, wird dies meist als unbedenklich oder geradezu als notwendig beurteilt. Problematisch wird es, wenn kurzfristige Aktienkurssteigerungen auf einem Niveau herbeigeführt werden, das aufgrund vorherrschender Marktkräfte nicht erreicht worden wäre und dadurch Aktionäre und Gläubiger über den tatsächlichen Wert des Unternehmens täuscht. In diesem Fall kann keineswegs von nachhaltiger Wertsteigerung und Shareholder Value Orientierung gesprochen werden. Diese Möglichkeit des Aktienrückkaufs birgt die latente Gefahr, daß Finanzmittel zur kurzfristigen Aktienkurssteigerung dienen, anstatt in langfristig ertragreiche Projekte investiert zu werden. Der Aktienrückkauf kann demnach ein Instrument zur manipulierten Verbesserung des Shareholder Value darstellen .
Ein optimaler Verschuldungsgrad läßt sich auch durch Leasing und Pensionsrückstellungen erreichen:
Leasingverträge ersetzten andere Formen der Fremdfinanzierung,
deswegen sollten sie wie Fremdkapital behandelt werden. Pensionsrückstellungen
sind eine Alternative zur Kapitalaufnahme am Markt für Fremd- bzw.
Eigenkapital. Dem Unternehmen wird mittels Bildung von Pensionsrückstellungen
langfristig zinsfreies Fremdkapital zur Verfügung gestellt.
4. Erfolgsfaktor "Informationspolitik und Erwartungen der Aktionäre"
Ein entscheidender Faktor für die Investitionsbereitschaft von Aktionären ist Vertrauen darin, daß das Management die Ertragsziele der Aktionäre konsequent verfolgt und eine langfristige positive Unternehmensentwicklung absehbar ist.
Bedenkt man, daß sich eine Steigerung des Shareholder Value im Total Return widerspiegelt, so ist eine geschickte Informationspolitik insofern entscheidend, als die Bekanntgabe aller verfügbaren kursrelevanten Informationen notwendig ist, um den Total Return möglichst tiefgreifend zu beeinflussen. Mit anderen Worten heißt das, daß die wertorientierte Berichterstattung im Zusammenhang mit dem Shareholder Value eine besondere Stellung einnimmt: in einem effizienten Kapitalmarkt sind die Aktienkurse nämlich die Reflektion der zur Verfügung stehenden Informationen - eventuell auch Fehlinformationen -, denn "nur wenn über die Shareholder Value Maßnahmen eine transparente Berichterstattung erfolgt, kann sich der Aktienkurs in der gewünschten Weise entwickeln".
Der Preis einer Aktie bildet sich börsenmäßig aus Angebots- und Nachfrageprozessen, wobei sich die Nachfrageprozesse auf die erweckten Aktionärserwartungen zurückführen lassen. Die Erwartungen wiederum basieren auf den aus der Aktie erzielbaren Dividendenzahlungen und realisierbaren Kursgewinnen. Das Erwecken einer bestimmten Erwartungshaltung seitens potentieller Aktionäre ist insofern ein fruchtbares Feld für eventuelle Manipulationen , als Erwartungen ja das Ergebnis subjektiver Interpretation von Informationen ist, in denen sich das Unternehmen bestmöglich darstellt. Die Summe der Barwerte dieses Nettoeinkommens der Aktionäre repräsentiert den heutigen Aktienkurs. Aktienkurse sind demnach auch das Ergebnis von Informationsverarbeitungsprozessen und der daraus resultierenden Erwartungshaltung der Aktionäre.
Nachstehende Abbildung zeigt die unternehmerische Zielsetzung durch Investor Relation:
5. "Stock Options" als ambivalenter Erfolgsfaktor: Randbereich der Erfolgsfaktoren "in specie"
- Monita der Aktienoptionen
Aktienkurs - geeignet zur Managementbeurteilung?
In Deutschland sollen Aktienoptionen durch die Ankopplung der Vergütung an den Börsenkurs ein Anreiz- und Motivationsinstrument darstellen. Dies können sie nur, wenn die begünstigten Führungskräfte die Entwicklung eines Unternehmens eindeutig beeinflussen und sich die Erfolgsaussichten auch in steigenden Börsenkursen niederschlagen. Kursveränderungen der Aktie messen die Wertveränderung des Unternehmens, nicht jedoch in vollem Ausmaß den von den begünstigten Führungskräften geschaffenen Wert. Denn neben den Leistungen des Managements wirken sich externe Faktoren wie Zins- oder Wechselkursänderungen, Konjunktur und allgemeine Weltwirtschaftslage, steuerliche Regelungen und politische Entscheidungen relativ stark auf den Börsenkurs aus. Zudem können Erwartungen der Aktionäre die Marktrenditen beeinflussen.
Anreiz zur kurzfristigen Kursmanipulation und zur Selbstbedienung durch "windfall profits"?
Wenn Aktienoptionen so ausgerichtet sind, daß sie einer recht kurzen Laufzeit unterliegen, entsteht nicht der gewünschte Anreiz für das Management, langfristig den Wert des Unternehmens zu erhöhen, sondern eher kurzfristige Kapitalmarktbewegungen für schnelle Gewinne und damit Gehaltsaufbesserungen zu nutzen. Dieser kurzfristige Fokus kann dazu führen, daß das Management langfristig profitable Investitionsobjekte, die durchaus in den ersten Projektjahren negative Auswirkungen auf die Gewinnsituation haben können, meidet. Darüber hinaus wird Shareholder Value nicht schon dadurch geschaffen, daß der Aktienkurs steigt, sondern erst dann, wenn die Aktionäre eine risikoadäquate Rendite für ihr Kapitalengagement erhalten. Jedoch verdient der Manager bei Aktienoptionen schon dann, wenn der Aktienkurs über den Ausübungspreis steigt, er muß dafür nicht über der Kursentwicklung des Marktes liegen.
Gerade um diese beiden Kritikpunkte zu entschärfen, sollten Aktienoptionen nicht allein an die Entwicklung des Börsenkurses geknüpft werden. Dazu gibt es eine gesetzliche Regelung: Gemäß § 193 Abs. 2 AktG kann die Hauptversammlung Eckdaten für die Einführung und Gestaltung von Aktienoptionsplänen festlegen. Aktienoptionsprogramme werden vernünftigerweise nur dann bewilligt, wenn erwartet wird, daß die erzielte Unternehmenswertsteigerung den negativen Kapitalverwässerungseffekt übersteigt. Aktienoptionen sollten an einen Branchenindex oder einen anderen marktbekannten Aktienindex gekoppelt sein und Laufzeiten, bestehend aus Sperrfrist und Ausübungsfrist, festgelegt werden. Hinzu kommt noch, daß die Differenz zwischen Ausübungspreis und aktuellem Aktienkurs einkommenssteuerpflichtig ist. Der Gefahr eines durch kurzfristige Unternehmenspolitik ausgelösten Kursfeurwerks kann demnach durch kontinuierlich und langfristig ausgerichtete Optionspläne entgegengewirkt werden.
- Vorzüge von Aktienoptionen
Empirische Studien in den USA, in denen Aktienoptionen weitaus stärker verbreitet sind als in Deutschland, belegen, daß Aktien von Unternehmen mit Aktienoptionsplänen oder andere an den Aktienkurs gebundene Vergütungssysteme eine meßbar bessere Kursentwicklung aufweisen als Aktien von Unternehmen ohne derartige Motivationsinstrumente. Desweiteren ergibt sich für das Unternehmen der Vorteil, daß es zu einem am internationalen Markt attraktiven Arbeitgeber für Führungskräfte wird und ihm die Akquisition von besonders qualifizierten Managern erleichtert wird. Aktienoptionen stellen darüber hinaus ein Mittel dar, Manager langfristig an das Unternehmen zu binden . Ferner verknüpfen Aktienoptionsprogramme das Interesse der Führungskräfte an einem möglichst hohen Einkommen mit dem Interesse der Aktionäre an einer guten Aktienkursentwicklung.
Die Ambivalenz von Aktienoptionen als Erfolgsfaktor kann darin gesehen werden, daß Aktienoptionen nur dann zu einer echten Verbesserung des Shareholder Value führen, wenn das Management Interesse an einer dauerhaften Steigerung des Shareholder Value zeigt und diesem Prinzig folgt. Sobald das Management aber die langfristige Betrachtung, um eigene Vorteile zu verwirklichen, außer acht läßt, findet lediglich eine manipulierte Verbesserung des Shareholder Value statt.
6. Synthese
Die Darstellung der vier Erfolgsfaktoren, die zu einer manipuliertenVerbesserung des Shareholder Value führen, hat gezeigt, daß diese auf unterschiedlicher Ebene angesiedelt sind.
Die ersten drei Erfolgsfaktoren " Länge des Prognosehorizontes", "Variation von Rückstellungen und Abschreibungen", "Minimierung der Kapitalkosten" lassen sich unternehmensintern auf rechnerische Ermittlung der Höhe des Unternehmenswertes und dadurch Höhe des Shareholder Value zurückführen. Der vierte Erfolgsfaktor "Informationspolitik und Erwartungen der Aktionäre" basiert, indirekt vom Unternehmen ausgehend, auf der Beeinflussung der Aktionäre. So geben auch diese Erfolgsfaktoren "in specie" Antwort auf die eingeführte Frageformel:
SHAREHOLDER VALUE wird geschaffen durch
1. die
konkreten Maßnahmen
:
geschickte Wahl der Parameter
geschicktes Aussenden von Informationen
,
2. unter Rückgriff auf das
Mittel zum Zweck
:
Verhalten
der Aktionäre,
3. mittels den
Methoden
:
Errechnung/Informationstechnologien,
4. unter dem
Primat
:
bestmögliche Steigerung des Unternehmenswertes.
Der gemeinsame Nenner dieser vier Erfolgsfaktoren mag sicherlich eine
Erhöhung des Unternehmeswertes sein, doch fehlt hinter dieser Erhöhung
die
Substanz
.